20
Mai
2021
|
14:27
Europe/Amsterdam

Ziele für Daimler Truck als künftig eigenständiges Unternehmen

  • Daimler Truck veranstaltet ersten Strategietag für Investoren und Analysten und benennt Finanz- und Technologieziele
  • Entschlossen Leistung steigern und hohe Renditen für Aktionäre erzielen
  • Benchmark-Margen in jeder Region angestrebt; zweistellige Gesamtmarge für den Konzern bis 2025 in Szenario mit starken Marktbedingungen
  • Ehrgeizige Technologie-Planung für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) und brennstoffzellenbetriebene Elektrofahrzeuge (FCEV) mit geplantem Absatzanteil von bis zu 60 % emissionsfreier Fahrzeuge (ZEV) bis 2030
  • Mehrere neue Technologie-Partnerschaften angekündigt: Entwicklung hochmoderner Batterien der nächsten Generation mit CATL; Hochgeschwindigkeitsladen mit Power Electronics, Siemens und Engie und ein 1200 km langer "Wasserstoffkorridor" in Europa mit Shell.
  • Abspaltung und Börsengang von Daimler Truck auf Kurs; Abschluss bis Ende 2021 geplant

Heute fand der erste Strategietag von Daimler Truck statt, auf dem das Unternehmen seine Ambitionen als unabhängiges Unternehmen und seine Pläne zur Ausschöpfung seines vollen Potenzials, sowohl in operativer als auch in finanzieller Hinsicht, darlegte. Der Vorstand von Daimler Truck unter der Leitung von CEO Martin Daum präsentierte die strategischen Schwerpunkte sowie die wichtigsten Finanz- und Technologieziele.

Als Nummer eins im weltweiten Nutzfahrzeuggeschäft, gemessen an Absatz, Marktanteilen und globaler Reichweite, startet Daimler Truck aus einer führenden Position Daimler Truck erzielt einen Umsatz von über 40 Mrd. € und verkauft rund eine halbe Million Lkw und Busse in einem normalen Geschäftsjahr. Mit starken Marken auf allen großen Kontinenten wie Freightliner, Mercedes-Benz, FUSO und BharatBenz bietet Daimler Truck die industrieweit breiteste Palette an Lkw und Bussen. Darüber hinaus ist das Unternehmen ein Technologie-Pionier in Sachen Sicherheit, Effizienz und elektrifizierter Antriebe.

Mit Blick auf die Zukunft wird Daimler Truck als unabhängiges Unternehmen seine strategischen Ambitionen beschleunigen und seine finanzielle Performance in Angriff nehmen. Während Daimler Truck in Nordamerika sehr stark ist und in der Region mit einem Marktanteil von 40 Prozent im Schwerlastsegment und einer Benchmark-Profitabilität eine dominante Rolle spielt, sind die jüngsten Ergebnisse in anderen Marktregionen weniger zufriedenstellend. Die inkonsistente regionale Profitabilität in Europa, Brasilien und Asien muss deutlich verbessert werden.

„Unsere Mission als eigenständiges Unternehmen ist klar: Wir werden den Weg zum emissionsfreien Transport anführen, indem wir die Entwicklung von Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeugen beschleunigen. Und wir werden unsere Ertragsstärke deutlich steigern. Wir zielen in jeder Region auf den jeweiligen Bestwert. Jede Region muss wettbewerbsfähige Leistungen erbringen und wir sind bereit, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen. Wir sind bereit, harte Entscheidungen zu treffen, um unsere Fixkosten zu senken und unsere finanzielle Performance weiter zu verbessern", sagte Martin Daum, CEO der Daimler Truck AG.

Während des Strategietages stellte CEO Martin Daum das neue Daimler Truck Board vor, das die Fähigkeiten und die Energie vereint, um einen Leistungs- und Kulturwandel herbeizuführen. Mit auf dem Podium waren Karin Rådström, CEO von Mercedes-Benz Trucks und verantwortlich für die Regionen Europa und Lateinamerika; John O'Leary, CEO von Daimler Trucks North America; Hartmut Schick, CEO von Daimler Trucks Asia und Dr. Andreas Gorbach, Leiter der Truck Technology Group.

Daimler Truck erläutert finanzielle Zielsetzungen

Bei der Vorstellung der finanziellen Zielsetzungen des Unternehmens machte Daimler Truck CFO Jochen Götz deutlich, die Verbesserung der Profitabilität anzugehen, die Renditen zu steigern und als unabhängiges Unternehmen einen hohen Mehrwert für Aktionäre zu schaffen. Daimler Truck wird in allen Regionen eine Benchmark-Profitabilität und bis 2025 eine insgesamt zweistellige Umsatzrendite anstreben, starke Marktbedingungen vorausgesetzt.

Daimler Truck hat angekündigt, die Fixkosten, Investitionen und F&E-Ausgaben bis 2025 um 15% senken zu wollen (vs. Ist 2019). Die Fixkostenreduzierung umfasst das Ziel einer Personalkostenreduzierung bei Mercedes-Benz Trucks in Höhe von 300 Mio. € bis 2022 und neue Maßnahmen zur weiteren Komplexitätsreduzierung, Prozessverschlankung und die nachhaltige Realisierung von Einsparungen. Daimler Truck wird seinen Fokus noch stärker auf die profitabelsten Segmente und Regionen ausrichten. Dies umfasst eine deutlichere Fokussierung auf das profitablere Schwerlastsegment in den Hauptregionen, eine Verlagerung der Investitionen vom konventionellen ICE-Antriebsstrang (Internal Combustion Engine) hin zu emissionsfreien und weltweit standardisierten EV-Architekturen.

Daimler Truck wird einen weiteren Schwerpunkt auf Umsatzwachstum im Bereich Aftermarket und Services legen, um Profitabilität und Kundenbindung zu erhöhen. Dazu gehören das traditionelle Ersatzteil- und Wartungsservicegeschäft, aber auch Finanzdienstleistungen wie maßgeschneidertes Leasing, Finanzierung und Versicherungen. Neue und schnell wachsende Dienstleistungen in den Bereichen digitalisierter, autonomer und elektrifizierter Transport bieten zusätzliches Wachstumspotenzial. Insgesamt sieht Daimler Truck erhebliches Wachstumspotenzial im Servicegeschäft und strebt an, den Umsatz aus dem Serviceportfolio von derzeit 30% in Richtung 50% im Jahr 2030 zu steigern.

Daimler Truck ist in einer zyklischen Branche tätig. Daher hat sich das Unternehmen entschlossen, finanzielle Ziele vorzugeben, die eine potenzielle Spreizung der Marktbedingungen berücksichtigen und die Bemühungen zur Fixkostenreduzierung und zur besseren Steuerung der Volatilität widerspiegeln. In einem so genannten "Rainy"-Szenario, das mit dem Pandemiejahr 2020 vergleichbar ist, strebt das industrielle Truck- und Bus-Geschäft eine Umsatzrendite (RoS) von 6 - 7 % an. In einem „Fair Weather“-Szenario, das ein normales Geschäftsjahr widerspiegelt, liegt das RoS-Ziel bei 8 - 9 %. Und in einem "Sunny" Szenario mit starken Marktbedingungen strebt das Industriegeschäft von Daimler Truck zweistellige operative Margen an.

Festlegung regionaler Zielvorgaben

In einem kürzlich angekündigten Schritt änderte Daimler Truck die Organisationsstruktur, um jeder Region mehr Unternehmertum und größere Verantwortung bei der Produktentwicklung zu geben. Jede der großen Marktregionen Nordamerika, Europa, Lateinamerika und Asien hat die Aufgabe, sich an ihren lokalen Benchmarks im Hinblick auf Profitabilität zu orientieren. Um ein höheres Maß an Transparenz und Verbindlichkeit in Bezug auf die Profitabilität der Regionen und Segmente zu schaffen, wird Daimler Truck im Rahmen eines Capital Market Day im vierten Quartal vor dem erwarteten Börsengang regionale Finanzzahlen und detaillierte RoS-Ziele vorlegen.

"Wir müssen die Profitabilität neu ausrichten. Wir haben uns klare Ziele gesetzt, um unsere Fixkosten zu senken und Wachstum bei Services zu erschließen. Und wir werden auch unsere starke regionale Präsenz nutzen, um das Unternehmertum und die finanzielle Leistungsfähigkeit in unseren Geschäftseinheiten zu stärken," sagte Jochen Götz, CFO der Daimler Truck AG.

Führend auf dem Weg zur Emissionsfreiheit

Dr. Andreas Gorbach, der neue CTO und Leiter der Truck Technology Group, erläuterte die Prämissen der Technologie-Strategie von Daimler Truck: Zunächst wird das Unternehmen die Investitionen für den konventionellen ICE Verbrennungsmotor im Antriebsstrang herunterfahren und dabei mit Partnern zusammenarbeiten. So arbeitet Daimler Truck z.B. bei den mittelschweren Motoren bereits mit Cummins zusammen. Darüber hinaus sucht das Unternehmen aktiv nach weiteren Partnerschaften im Bereich der schweren Nutzfahrzeugmotoren, um notwendige Investitionen gemeinsam stemmen zu können. Letztlich wird Daimler Truck die Ausgaben für konventionelle ICE-Antriebe weiter reduzieren und den Großteil der F&E-Ausgaben bis 2025 auf Technologien für emissionsfreie Fahrzeuge (ZEV) umlenken. Bei der ZEV-Technologie setzt das Unternehmen sowohl auf batterieelektrische Fahrzeuge (Battery Electric Vehicles, BEV) als auch auf wasserstoffbasierte Brennstoffzellen-Lkw (Fuel Cell Electric Vehicles, FCEV).

Führend bei batterieelektrischen Trucks

Nach dem Start mit dem vollelektrischen FUSO eCanter im Jahr 2017 hat Daimler Truck das breiteste ZEV-Nutzfahrzeugportfolio aller global agierenden Lkw-OEMs im Markt. ZEVs wie Freightliners eCascadia und eM2, Mercedes-Benz eActros und eCitaro sowie der ikonische Thomas Built Buses Jouley sind bereits täglich im Einsatz und haben mehr als 10 Millionen Kilometer in Kundenhand zurückgelegt. Weitere Produkte wie der Mercedes-Benz eActros LongHaul mit etwa 500 km Reichweite werden in den kommenden Jahren auf den Markt kommen. Mit einem speziellen batterieelektrischen Truck (BEV) der kommenden Generation, der für die nächsten Jahre geplant ist, strebt Daimler Truck eine Reichweite von bis zu 800 km an.

Um den BEV-Ausbau des Unternehmens zu beschleunigen, erweitert Daimler Truck das Know-how und die Entwicklung der eigenen eDrive-Technologie deutlich aus. Darüber hinaus hat Daimler Truck heute einige wichtige Partnerschaften in den Bereichen Batterietechnologie und Ladeinfrastruktur bekannt gegeben.

Bekanntgabe von wichtigen Partnerschaften

Die Daimler Truck AG und der Lithium-Ionen-Batteriehersteller und -entwickler Contemporary Amperex Technology Co. Limited (CATL) - ein global führendes Unternehmen in diesem Bereich – intensivieren ihre bestehende Partnerschaft. Beide Unternehmen verfolgen die Vision eines CO2–neutralen, elektrifizierten Straßengüterverkehrs. CATL wird Lithium-Ionen-Batterien für den vollelektrischen Mercedes-Benz eActros LongHaul liefern. Die Serienreife des E-Lkw ist für 2024 vorgesehen. Die Liefervereinbarung geht über das Jahr 2030 hinaus. Die Batterien für den eActros LongHaul werden sich durch eine hohe Energiedichte mit einer extrem langen Lebensdauer sowie Schnellladefähigkeit auszeichnen. Damit werden sie die besonderen Anforderungen an batterieelektrische Fernverkehrs-Lkw erfüllen. Darüber hinaus beabsichtigen die Unternehmen, gemeinsam noch fortschrittlichere Batterien der nächsten Generation für Lkw-spezifische Anwendungen zu entwickeln. Der Schwerpunkt soll dabei vor allem auf hoher Modularität und Skalierbarkeit liegen. Das Ziel ist, die Batterien für unterschiedliche Einsatzzwecke und zukünftige E-Lkw-Modelle flexibel nutzen zu können. Mehr Details dazu gibt es in einer eigenen Pressemitteilung, die ebenfalls heute verschickt wurde.

Um Kunden in der Anfangsphase des Betriebs von eTrucks zu unterstützen, startet Daimler Truck auch beim Thema Ladeinfrastruktur in den Kernmärkten Europas und Nordamerikas. In Europa hat Mercedes-Benz Trucks eine strategische Partnerschaft mit Siemens Smart Infrastructure und Engie angekündigt, um Ladelösungen für Lkw-Flotten auf den Betriebshöfen anzubieten. In Nordamerika hat die DTNAs Aggregatetochter Detroit eine Partnerschaft mit Power Electronics angekündigt, um Beratung, Installation und Support für 350-kW-Megaladestationen vor Ort anzubieten. Weitere Details hierzu sind ebenfalls Gegenstand einer separaten Pressemitteilung von heute.

Branchenführend in der Entwicklung von Wasserstoff-Brennstoffzellen-Trucks

Zusätzlich zu seinem intensiven Fokus auf batterieelektrische Lkw will Daimler Truck auch die Entwicklung und den Einsatz von wasserstoffbasierten-Brennstoffzellen-Lkw (FCEV) beschleunigen. Aufgrund der hohen Energiedichte von Wasserstoff, der schnellen Betankungszeiten und der sich abzeichnenden Entwicklung eines Wasserstoff-Energiesystems in vielen Märkten ist Daimler Truck davon überzeugt, dass FCEVs eine Schlüsselrolle im Straßengütertransport spielen werden. Unterstützt durch das Joint Venture cellcentric mit der Volvo AB Group und mit einer klaren Technologie-Roadmap, ist Daimler Truck entschlossen, diese Fahrzeuge auf den Markt zu bringen.

Die zentrale Herausforderung für die FCEV-Technologie ist die Infrastruktur. Als Teil seiner Strategie, die Infrastruktur sowohl für BEV- als auch für FCEV-Fahrzeuge in Schwung zu bringen, hat Daimler Truck heute eine neue Partnerschaft mit Shell bekannt gegeben. Die Daimler Truck AG und Shell New Energies NL B.V. (“Shell”) wollen die Einführung von wasserstoffbasierten Brennstoffzellen-Lkw in Europa gemeinsam vorantreiben. Dafür haben die Unternehmen nun eine Vereinbarung unterzeichnet. Die Partner planen den Aufbau einer Wasserstoff-Tankinfrastruktur und den Einsatz von Brennstoffzellen-Lkw bei Kunden – Ziel ist die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs.

Shell plant zunächst ein Wasserstoff-Tankstellennetzwerk für grünen Wasserstoff zwischen drei Produktionsstandorten in Rotterdam in den Niederlanden sowie in Köln und Hamburg zu errichten. Ab 2024 plant Shell zwischen den drei Standorten Tankstellen für schwere Lkw zu betreiben. Die Daimler Truck AG beabsichtigt, im Anschluss daran im Jahr 2025 die ersten schweren Wasserstoff-Lkw an Kunden zu übergeben. Bereits ab dem Jahr 2025 soll der Korridor eine Gesamtlänge von 1.200 Kilometern aufweisen.

 

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